TV-Kindersendung:
Werden jetzt auch schon unsere Kinder gegen den Willen der Eltern von den Medien „kriegstüchtig“ gemacht?

Ursula Mathern
Bachstr. 24
55627 Merxheim
Zuschauerservice
ZDF Service GmbH,
Otto-Schott-Straße 9,
55127 Mainz
Zuschauerservice@zdf-service.de
Kinderkanal ZDF logo! das Video „Kein Taurus für die Ukraine?“ Kein Taurus für die Ukraine | logo! #shorts (youtube.com)
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin entsetzt und angewidert von dem frivolen Machwerk, das Sie mit diesem o. g. Beitrag Kindern vorsetzen.
Als ob es Ihnen noch nicht genügte, Erwachsene von früh bis spät mit Kriegspropaganda zuzudröhnen, nehmen Sie mit diesem Video jetzt auch noch die Kinder ins Visier, um sie im Sinne der Kriegstreiber zu vereinnahmen.
Todbringenden Waffensystemen verleihen Sie menschliche Gesichtszüge, die ihre Stimmung zum Ausdruck bringen. Sie können reden, hören. Niedlich möchte man meinen und könnte fast vergessen, dass genau solche Kriegsgeräte in der Realität in der Ukraine bereits hunderttausenden Menschen den Tod gebracht haben. Bundeskanzler Scholz „mal ordentlich den Marsch zu blasen“, damit er Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine liefert lautet die Botschaft, mit der sie bereits Kinderseelen infizieren wollen, obwohl Sie selbst sicher ganz genau wissen, welche Folgen dieser Schritt haben wird: dass die Reaktion Russlands nicht auf sich warten lassen, mit hoher Wahrscheinlichkeit nuklear ausfallen und uns alle vernichten wird.
§ 3 des Rundfunkstaatsvertrags verpflichtet Sie dazu, in Ihren Angeboten „die Würde des Menschen zu achten und zu schützen; die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung …zu achten. Die Angebote sollen dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinungen anderer zu stärken“.
Zum Auftrag des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks formuliert § 11 u. a., dass die Angebote der Internationalen Verständigung dienen sollen (1), und (2), dass bei der Erfüllung ihres Auftrags „die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen“ sind.
Von solcherlei Maßstäben ist in Ihrem o. g. Produkt wirklich NICHTS mehr zu finden.
Ihre Methoden mögen subtiler geworden sein. Trotzdem wecken sie Erinnerungen an unselige Zeiten. Nur gibt es diesmal möglicherweise niemand mehr, der anschließend noch fragen könnte: Wie konnte es nur soweit kommen?!?
Ursula Mathern
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
am 27. Februar 2024 wurde auf dem Kinderkanal ZDF logo! das Video „Kein Taurus für die Ukraine?“ online gestellt, der zuerst über das TikTok-Format Un.logo! veröffentlicht wurde. https://www.youtube.com/watch?v=kgsVFZXnkAE
In dem Video werden Tod bringende Waffensysteme durch die animierte Darstellung zum Leben erweckt und so in inakzeptabler Weise verharmlost. Die IPPNW Deutschland hat eine Programmbeschwerde eingereicht.
Unsere Bitte: Schreiben an Sie an das ZDF.
Zuschauerservice, ZDF Service GmbH, Otto-Schott-Straße 9, 55127 Mainz
Email: Zuschauerservice@zdf-service.de
Hier einige Textbausteine aus unserem Schreiben, die Sie verwenden können.
In Artikel § 3 des Rundfunkgesetzes heißt es, die Angebote sollten dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit (…) zu stärken. In dem Video werden Tod bringende Waffensysteme durch die animierte Darstellung zum Leben erweckt und so in inakzeptabler Weise verharmlost. Als Ärzt*innen und Ärzte wissen wir um die katastrophalen humanitären Folgen von Waffen und Krieg. Im Ukrainekrieg wurden nicht nur mehr als 10.000 Zivilist*innen, sondern auch Hunderttausende Soldaten auf beiden Seiten getötet. Gerade Journalismus, der sich an Kinder wendet, sollte hier besonders sensibel agieren.
Noch dazu fordern die animierten Waffen in dem Video dazu auf, Bundeskanzler Scholz „mal ordentlich den Marsch zu blasen“, damit er Taurus – Marschflugkörper an die Ukraine liefert. Aus unserer Sicht verstößt dieses Video gegen das journalistische Gebot der Ausgewogenheit und den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Das Video verstößt darüber hinaus gegen das in den Landesverfassungen festgelegte Gebot, die Jugend zur Friedensliebe zu erziehen, wie es z. B. in der Baden-Württembergischen Landesverfassung Art. 12 Absatz 1 festgehalten ist.
Dringend notwendig ist gegenwärtig eine kindgerechte Vermittlung komplexer Konfliktursachen. Außerdem müssen nicht-militärische Konflikttransformationen beachtet werden, die Kriege verhindern und beenden können. Journalismus kann einen wichtigen Beitrag leisten, die Jugend über gewaltfreie Formen der Konfliktaustragung zu informieren.
Mit freundlichen Grüßen
Angelika Wilmen
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Angelika Wilmen
Geschäftsstellenleiterin, Friedensreferentin
IPPNW – Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/
Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.
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