Offener Brief
an die Bundesministerin für Bildung und Forschung
Frau Bettina Stark-Watzinger
Ursula Mathern Bachstr. 24 55627 Merxheim urs.math@gmx.net 19.03.2024
An die
Bundesministerin für Bildung und Forschung
Frau Bettina Stark-Watzinger
bmbf@bmbf.bund.de;
information@bmbf.bund.de;
Offener Brief zu „Stark-Watzínger will Schüler auf Kriegsfall vorbereiten“
Sehr geehrte Frau Stark-Watzinger,
es würde ja auch was fehlen, wenn – nach Erwachsenen, denen durch Politik und Medien nun schon seit zwei Jahren eingebläut wird, dass sie kriegstüchtig zu werden hätten, sowie Kindern, die kürzlich per Kinderkanal für die Zustimmung zu Taurus-Lieferungen an die Ukraine bearbeitet wurden – nun nicht auch noch die Schulen an die Reihe kämen.
Laut MDR wollen Sie Schüler auf den Kriegsfall vorbereiten, sprechen Sie sich für Zivilschutzübungen an Schulen aus und plädieren dafür, dass Jugendoffiziere der Bundeswehr an die Schulen gehen sollten. (s. Stark-Watzinger will Schüler auf möglichen Kriegsfall vorbereiten | MDR.DE).
Um so erstaunlicher ist es, dass Sie auf Ihrer Webseite behaupten, mit ganzem Herzen Mutter zu sein. Wie passt das für Sie zusammen? Finden Ihre beiden Töchter diese Maßnahmen toll? –
Hätte ich Kinder, würde ich mir nichts mehr wünschen und würde alles dafür tun, dass sie in Frieden aufwachsen, eine möglichst gute Bildung genießen und ihr Leben in Frieden leben können. Zwar wollen Sie mit „der weltbesten Bildung … Chancen für alle schaffen.
Investitionen in Bildung, Ausbildung und Qualifizierung wollen wir daher deutlich erhöhen.
Jeder der sich anstrengt, verdient Respekt vor seiner Leistung – unabhängig seiner Herkunft oder seines Schulabschlusses“. So Ihre Webseite.
Zwar musste Ihr Etat im Unterschied zu den meisten anderen Haushaltsbereichen keine Einbußen hinnehmen. Doch was nutzt das, wenn über allem der Schatten eines möglichen Kriegs schwebt?
Davon abgesehen verlassen – den von Ihnen formulierten hehren Zielen zum Trotz – fast 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Jedes Jahr! – Sie haben damit kaum Berufs- und Lebensperspektiven, wie Ralf Becker, GEW-Vorstandsmitglied Berufliche Bildung und Weiterbildung, feststellt. (s. Fast 50.000 Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss – jedes Jahr. Lehrerverbände streiten über die Ursachen | News4teachers)
Des weiteren haben die Schulschließungen wegen Corona „die größte Störung der Bildungssysteme in der Geschichte verursacht“. (s. Bildungslücken wegen Corona – Folgen der Pandemie für Schüler – schulen.de)
„Internationale Studien zeigen, dass sich die Lernentwicklung in den Zeiten, in denen Schulen wegen Corona geschlossen waren, verlangsamt hat, das Lernzeiten sich verkürzt haben“ (a. a. O.) Darüber hinaus ist zu bedenken, dass Schule auch ein Raum sozialer Interaktion ist, ein Ort, an dem Kinder gemeinsame Problemlösungen lernen, und an dem Gesellschaft stattfindet. (a. a. O.)
Ich finde, das ist ein Verbrechen an den Kindern!
WAS TUN SIE DAFÜR, DASS DIESE VERSÄUMNISSE WETT GEMACHT WERDEN?
Und schließlich herrscht in einigen Bundesländern ein akuter Lehrermangel. Anfang 2023 blieben insgesamt 12.000 Stellen unbesetzt. Konsequenzen: Unterrichtsausfall, Teile des Lernstoffs fehlen, sinkende Unterrichtsqualität, überlastete Lehrkräfte u. a .m. Die KMK geht daher davon aus, dass bis 2030 bundesweit rund 55.000 zusätzliche Lehrer:innen benötigt werden, um den Unterricht in vollem Umfang aufrechterhalten zu können. (s. Lehrermangel in Deutschland – Ursachen, Prognosen, Folgen (easy-tutor.eu)
WELCHE MASSNAHMEN ERGREIFEN SIE DIESBEZÜGLICH?
Sehr geehrte Frau Stark-Watzinger,
ich weiß nicht, ob es noch ein anderes Land gibt, in dem einer ganzen Generation mit so viel Lieblosigkeit und Missachtung begegnet wird, wie sie sich in den hier beschriebenen Verhältnissen widerspiegeln. Und diese wollen Sie nun noch toppen, indem Sie Schüler auf den Kriegsfall vorbereiten, sie mit Zivilschutzübungen traktieren und Jugendoffiziere der Bundeswehr an Schulen holen wollen?
Sie mögen in der Finanzbranche am richtigen Platz gewesen sein.
Als Bildungsministerin haben Sie m. E. eine Sechs Minus verdient.
Mit Krieg und Aufrüstung muss grundsätzlich SCHLUSS sein, wenn wir alle überhaupt eine Zukunft haben wollen!
Konflikte sind nicht-militärisch zu lösen, erst Recht, da uns niemand bedroht.
Bundeswehr hat an Schulen NICHTS zu suchen.
Respekt verdient jedes Kind, jedeR SchülerIn zuallererst als Mensch um seiner selbst willen, samt jeglicher Förderung und einer guten Allgemeinbildung, um inmitten der gravierenden Umbrüche seinen/ihren Platz im Leben zu finden.
Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Eltern und Lehrer dies einfordern.
Ursula Mathern
Wir schließen uns dieser Argumentation und diesen Forderungen in vollem Umfang an.
Sammlungsbewegung aufstehen – Vorstand aufstehen-Trägerverein Sammlungsbewegung e.V.