Kann man, wenn ein Ereignis zum zweiten Mal stattfindet, schon von einer Tradition sprechen? Das wäre wohl etwas voreilig, zumal die Gruppe der Beteiligten überschaubar ist und eine schon mehrmals totgesagte Sache vertritt. Die Rede ist von der Sammlungsbewegung aufstehen und dem Bemühen einiger ihrer unermüdlichsten Vertreter, im schönen Mosbach (Thüringen) ein mehrtägiges Treffen zu organisieren.
Der Tagungsort versprüht den rauen Charme eines typischen DDR-Ferienobjektes – was sich auf die Tagungsmoral wegen fehlender Alternativen durchaus positiv auswirkt.
Diesmal geht es um die prioritär zu behandelnden Themen und die Aktionsformen, die bei geringem personellen Aufwand ein Maximum an Wirkung entfalten können. Einigkeit herrscht darin, die soziale Lage der benachteiligten Bevölkerungsschichten in den Mittelpunkt zu rücken, von der Mindestrentnerin über den Hartz IV-Empfänger bis hin zu den prekär Beschäftigten aller Branchen, einschließlich Studierenden.
Dem stimmen auch die beiden Gäste zu, Christine Meier und Harri Grünberg vom Vorstand des aufstehen-Trägervereins. Soziale Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz in einem demokratisch verfassten Gemeinwesen – das sollen die Kernthemen von aufstehen sein. Hierfür Experten anzufragen und Aktionen zu planen ist eine lohnende Sache.
Christine und Harri sind allerdings nicht nur deswegen eingeladen worden und gekommen, sondern vor allem, um ihre Vorstellungen von den Aufgaben des Vorstandes des Tägervereins einerseits und denen des Orga-Teams der Basis-Vernetzungskonferenz andererseits zu kommunizieren.
Bei Christine fällt am Anfang die Bemerkung: «Wir sind das Original» und Harri deutet launig an, die Vernetzungskonferenz für eine Veranstaltung von Abtrünnigen gehalten zu haben. Ursache für solche Missverständnisse ist ein Konstruktionsmangel in den aufstehen-Strukturen. Dieter K. beschreibt ihn so: Der Vorstand des Trägervereins ist verantwortlich für die Organisation der Arbeit und die Durchführung des Kongresses. Der Vorstand ist aber nicht Vorstand der aufstehen-Bewegung insgesamt, denn die hat ihn ja nicht gewählt.
Harri G. stellt fest: Der Vorstand des Trägervereins ist demokratisch verfasst und repräsentiert aufstehen nach außen. Vorstandsarbeit ist hauptsächlich Verwaltungsarbeit. Die benötigte Kreativität muss vor allem von der Basis kommen und soll Impulse des Trägervereins aufgreifen. Sofern die Basis andere Impulsvorschläge als wichtiger erachtet, wird der Vorstand dies abstimmen. Mit wem? Mit einem noch zu bildenden Basisrat, in dem Aktive aus allen Bundesländern vertreten sind. Die Themen werden dann gemeinsam demokratisch festgelegt.
Alle Anwesenden sind sich einig, dass aufstehen gerade dann große Chancen hat, wenn es als parteienunabhängige, außerparlamentarische Bewegung agiert.
In dem Sinne werden in Mosbach auch eine Resolution zum Ukraine-Krieg und ein Brief an Außenministerin Baerbock mit der Aufforderung, sich für die Nicht-Auslieferung von Julian Assange einzusetzen, verabschiedet.
Wer es genauer wissen will, mag das Protokoll zur Konferenz lesen, das bereits online ist.
das Redaktionsteam der Basis-Vernetzungskonferenz, 29.6.22