Ursula Mathern
Bachstr. 24
55627 Merxheim
An Herrn
Sigmar Gabriel
Offene Mail zu: „Wir werden Russland noch einmal so niederringen müssen, wie wir das im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gemacht haben.“
Sehr geehrter Herr Gabriel,
nach meiner Erinnerung haben Sie g e n a u e i n m a l während Ihrer politischen Karriere MUT bewiesen, als Sie sich als Außenminister im April 2017 über die Drohungen von Premier Netanjahu hinweg setzten, in Kauf nahmen, dass er das geplante Treffen mit Ihnen platzen ließ, weil Sie sich mit den regierungskritischen israelischen Menschenrechtsgruppen Breaking the Silence und B’Tselem trafen, gar das Wort „Apartheidsregime“ in den Mund nahmen und sagten, man müsse mit a l l e n reden.
Eine gefühlte Ewigkeit scheint dies zurück zu liegen.
Nun wollen Sie also Russland noch einmal niederringen. Vermutlich fordern Ihre Funktion als Vorsitzender der Atlantikbrücke sowie die Mitgliedschaft in weiteren illustren Gremien ihren Tribut.
Dabei müssten Sie als Lehrer wissen, dass der Versuch, die Sowjet-Union niederzuringen, zweimal gründlich schief gegangen ist und der Überfall Nazi-Deutschlands mit ungeheuren Kriegsverbrechen einherging, wobei auf sowjetischer Seite 27 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Meinen Sie, die Russen hätten das vergessen?
Und sollte nicht allein diese Tatsache Mahnung und Warnung genug sein???
Russland ist allemal Deutschland sowohl wirtschaftlich als auch militärisch überlegen. Denn hinter Russland steht der Globale Süden. Wer auf die Unterstützung der USA setzt, dürfte sich täuschen. Diese haben kein Interesse daran, in einen Nuklearkrieg verwickelt zu werden, den auch sie nur verlieren könnten.
Wer meint, die Russen würden bluffen, dürfte sich ebenfalls irren. Fakt ist, wenn auch hierzulande gezielt unterschlagen, dass Präsident Putin wieder und wieder seine Bereitschaft zu Verhandlungen bekundet und deutlich gemacht hat, dass er keinen Krieg mit der NATO will. DER WESTEN STELLTE UND STELLT SICH TAUB.
Allerdings besagt die russische Nukleardoktrin: Falls Russland in seiner Existenz bedroht wird, wird es seine Atomwaffen einsetzen. Und das bedeutet für uns alle hier die PHYSISCHE VERNICHTUNG.
DIE BEVÖLKERUNG WILL KEINEN KRIEG. Die Ampel-Parteien wurden bei der EU-Wahl unübersehbar abgestraft. Bei einer Meinungsumfrage (Civey) antworteten dieser Tage knapp zwei Drittel der Befragten mit Ja auf die Frage, ob sie sich sorgten, dass der Ukraine-Krieg sich auf andere Länder ausweiten könnte.
Der Ukraine-Krieg könne zur Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts werden, befürchtet NATO-General a. D. H. Kujat.(s. Video: Nato-General a. D. Harald Kujat: «Ich befürchte, der Ukraine-Krieg könnte zur Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts werden» (weltwoche.ch) Seinen Worten zufolge will auch die ukrainische Bevölkerung mittlerweile Frieden. Sie will verhandeln. Die Zustimmungswerte für Selenskyj lägen nur noch bei 17 %. – Mit welchem Recht also zwingen Sie dieses Volk zur Fortsetzung dieses Kriegs?
Sehr geehrter Herr Gabriel,
Es fällt sicher schwer, den Tatsachen ins Auge sehen und sich eingestehen zu müssen, dass der Kurs der letzten Jahre, zumal von der gesamten Propagandamaschine unterstützt, falsch war und ist.
Für mich persönlich gilt: Ich habe Respekt vor Leuten, die den MUT zu einem solchen Schritt aufbringen. Dagegen betrachte ich es als verbrecherischen WAHN, unbeirrt weitermachen und – aus Furcht vor dem eigenen Gesichtsverlust – uns alle lieber ins Unheil stürzen zu wollen.
Ich denke sogar, dass Deutschland mit einem solchen Schritt sowohl gegenüber Russland als auch gegenüber der Mehrheit der Weltbevölkerung wieder an Achtung gewinnen würde. Um dieses Ansehen ist es nämlich außerordentlich schlecht bestellt.
ÜBERLASSEN SIE DEN KRIEGSTREIBERN NICHT LÄNGER DAS FELD UND UNTERSTÜTZEN DIESE GAR NOCH.
ZEIGEN SIE MUT! SETZEN SIE DAS PRINZIP „MAN MUSS MIT ALLEN REDEN“ WIEDER IN KRAFT! Dass Sie dazu nicht völlig außerstande sind, haben Sie 2017 bewiesen.
Als Vorsitzender der Atlantikbrücke haben Sie eine wichtige Position inne. Eigentlich müsste auch deren Mitgliedern z. T. einleuchten, dass ihre zuletzt einseitige Ausrichtung – zumal seit der Sprengung der Nordstream-Pipeline – keine Zukunft hat. Vielmehr gilt: LUX EX ORIENTE VENIT. Womöglich auch aus dem Süden. Und zwar FRIEDLICH und GERECHT, wenn sicherlich auch nicht ohne Konflikte.
Ursula Mathern