An: landesbischof@ekmd.de
Betreff: „Ein Krieg, der nicht unserer ist“ – mitteldeutscher Bischof Kramer kritisiert Hilfe für die Ukraine
Ursula Mathern
Bachstr. 24
55627 Merxheim
An Herrn
Landesbischof Friedrich Kramer
„Ein Krieg, der nicht unserer ist“ – mitteldeutscher Bischof Kramer kritisiert Hilfe für die Ukraine Bischof Kramer Kritisiert Ukraine-Hilfe: Kriegsdebatte in Mitteldeutschland (mz.de)
Sehr geehrter Herr Kramer,
über Ihre Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine und zu deutschen Hilfeleistungen dorthin habe ich mich sehr gefreut. Vielen Dank dafür! Endlich mal eine Stimme aus den Kirchen, die sich öffentlich für Verhandlungen ausspricht, und auch die wirtschaftliche Rezession hierzulande als Folge des Kriegs zur Sprache bringt.
Mehrfach habe ich die ACK, die EKD und die DBK angeschrieben, jüngst auch zu Palästina. Falls überhaupt eine Antwort kommt, dann fällt sie einseitig aus oder besteht aus nichtssagenden Phrasen. – Ich persönlich finde das unerträglich und theologisch mehr als zweifelhaft.
WIR UND DIESE WELT BRAUCHEN FRIEDEN!
Und die Kirchen? Sie folgen blindlings dem Regierungskurs, ob aus Opportunismus, Feigheit oder welchen Gründen auch immer.
Als hätten sie keine eigene ideologische Grundlage, die sie m. E. dazu verpflichtet, „dem Rad in die Speichen“ zu fallen.
So viele Menschen sind bereits gestorben – Ukrainer, Russen und nun seit Wochen im Gazastreifen. Die Tragödie, die sich dort abspielt, übersteigt unser aller Vorstellungsvermögen. Mitglieder und Sympathisanten der Jewish Voice for Peace haben
dieser Tage in den USA mit einer Aktion zivilen Ungehorsams ein beachtliches Zeichen gesetzt. Hunderte von ihnen wurden verhaftet. (s. THE WIRE. Wir haben in der 8. Nacht von Chanukka 8 Brücken in 8 Städten geschlossen. 18:12:2023 Wir haben in der 8. Nacht von Chanukka 8 Brücken in 8 Städten geschlossen. – JVP (jewishvoiceforpeace.org)
WELCHES ZEICHEN SETZEN DIE HIESIGEN KIRCHEN?
Ich war am 25.11.2023 bei der Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin. Laut Veranstaltern waren 25.000 Menschen dem Aufruf gefolgt. Stellt man die massive Gegenpropaganda in Rechnung, dann war es ein Erfolg! Aber es müssten viel mehr Menschen sein, die gegen die Kriegs- und Aufrüstungspolitik ihre Stimme erheben, um eine Veränderung erzwingen zu können..
Die Kirchen hatten ihre Schäfchen wohl leider nicht zur Beteiligung aufgerufen. Auch gab es keine Rede eines Kirchenvertreters.
Die Friedensbewegung KÖNNTE mehr Fahrt aufnehmen, wenn auch die Kirchen sich wieder als Teil derselben verstehen und ihre unverwechselbare Stimme einbringen würden.
So gesellt sich zu meinem Dank an Sie der Wunsch: Bitte, lassen Sie nichts unversucht, damit es in den Kirchen zu einem Sinneswandel kommt.
Mit meinem diesjährigen Weihnachtsrundbrief, den ich Ihnen mitschicke, verbinde ich die besten Wünsche für Sie persönlich und grüße Sie herzlich
Ursula Mathern
Matthäus 5,9
Sie haben keine gute Presse.
beschimpft als Putinversteher, Hamas-Sympathisanten,
„gefallene Engel aus der Hölle“ brandmarkte der Bundeskanzler sie sogar.
Es gehe um unsere Sicherheit.
Die ist sehr teuer geworden, seitdem Scholz die Zeitenwende eingeläutet hat:
Jeder 5. Euro für Krieg und Rüstung im kommenden Jahr,
der höchste Militär-Etat seit Ende des 2. Weltkriegs!
WO BLEIBT DER AUFSCHREI AUS DER BEVÖLKERUNG?
Kriegstüchtig müssten wir werden, drängelt Pistorius und fordert einen Mentalitätswechsel.
Waffen retten Leben, verkündete Frau Baerbock im Zusammenhang mit Waffenlieferungen an die Ukraine. – Was für eine Verdrehung!
Als ob Mordwerkzeuge nicht genau dafür ersonnen und produziert würden, um zu morden.
Statt Sicherheit zu schaffen, wird das Wettrüsten nur weiter angeheizt.
Die Unsummen, die dafür verbraten werden, rauben – bereits ohne ihre Verwendung im Kampf – die Mittel, die für elementar Lebensnotwendiges erforderlich sind.
Armut, Obdachlosigkeit und Hunger nehmen zu, gleichzeitig wird immenser Reichtum in immer weniger Händen konzentriert.
Die zivile Infrastruktur – Schulen, Gesundheitswesen u. a. – verlottern.
Dem Krieg nach außen entspricht der Krieg nach innen, jeweils befördert durch massive Propaganda.
Völlig ignoriert wird, dass Aufrüstung und Kriege die Klimatreiber Nummer 1 sind.
Die Folgen der Klimakatastrophe vielleicht noch abzumildern, wird nur gemeinsam gelingen.
Jenseits der westlichen Definition, nach der „Wir die Guten“ und „die anderen die Bösen“ sind.
FriedensstifterInnen sind not-wendig, dringender denn je.
FRIEDEN muss nach zwei Weltkriegen zur einzigen Staatsräson hierzulande werden.
Ihr Lieben Alle, Merxheim, im Advent 2023
wie kostbar etwas ist, zeigt sich vermutlich nie deutlicher als dann, wenn wir im Begriff sind, es zu verlieren oder zu verspielen. – Werden wir die Lektion noch lernen, bevor es zu spät ist?
Was in Gaza geschieht, hat mit uns zu tun. Bei Treffen der EU-Außenminister Ende Oktober waren es die Deutschen, die eine kleine Minderheit von Staaten anführten, um eine Forderung nach einem Waffenstillstand zu blockieren. Die deutsche Regierung hat die Waffenexporte nach Israel in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht. Über 80 Prozent dieser Exporte wurden nach dem 7. Oktober genehmigt. Deutschland macht sich der Mittäterschaft daran schuldig, dass das Töten nicht aufhört, und – mit der Blockade – dass die Menschen hungern, dass das Trinkwasser knapp wird, dass eine medizinische Versorgung kaum noch möglich ist. Kälte und Krankheiten kommen nun hinzu.
Am 7. Dezember schlug UN-Generalsekretär António Guterres Alarm – wegen Bedrohung der globalen Sicherheitslage. Am 9. Dezember forderten die Vereinigten Arabischen Emirate den UN-Sicherheitsrat auf, einen sofortigen humanitären Waffenstillstand in Gaza zu beschließen. Als einzige dagegen stimmten: die USA! – Trotz der Proteste auch vieler jüdischer Stimmen, gerade auch in den USA, die die Verbrechen der Hamas durchaus verurteilen, den Völkermord in Gaza jedoch entschieden ablehnen. – Es geht nicht nur um Verbrechen gegen die Menschlichkeit in einem unvorstellbaren Ausmaß. Mehr als all die anderen Orte, an denen aktuell ebenfalls Kriege stattfinden, macht Bethlehem deutlich, an was für einem inneren Abgrund wir stehen. Was könnte blasphemischer sein als wenn in der Praxis den Götzen Weltherrschaft, Kapital und Krieg gehuldigt wird? – Der Menschwerdung Gottes, um die es an Weihnachten doch gehen sollte, wird damit ins Gesicht gespuckt. Und Stück für Stück verlieren wir dabei unsere eigene Menschlichkeit. – Ob uns noch einmal die Chance gegeben wird, dies zu begreifen und öffentlich die universelle Geltung von Menschenrechten einzufordern? Auch für PalästinensereInnen!
Schülerinnen und Schüler der Ramallah Friends School wünschen in einem Lied:
„Möge dieses Weihnachtsfest uns mit den tiefen Gaben der Gerechtigkeit, des Friedens und der Einheit beschenken. Möge der Geist der Liebe uns zu einer Zukunft führen, in der die Menschlichkeit überwiegt. Ich wünsche Ihnen eine Zeit voller Hoffnung und anhaltender Wärme des Friedens“. – Dem schließe ich mich an.
Mit herzlichen Grüßen
U.M.