{"id":9299,"date":"2024-11-13T17:17:46","date_gmt":"2024-11-13T16:17:46","guid":{"rendered":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/?p=9299"},"modified":"2024-11-13T17:32:11","modified_gmt":"2024-11-13T16:32:11","slug":"13-november-2024-leserzuschrift-hinweise-und-rahmenbedingungen-zur-neuwahl-der-bundesregierung-schlussfolgerung-wir-duerfen-nicht-ungeprueft-hinnehmen-was-uns-alles-so-erzaehlt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/13-november-2024-leserzuschrift-hinweise-und-rahmenbedingungen-zur-neuwahl-der-bundesregierung-schlussfolgerung-wir-duerfen-nicht-ungeprueft-hinnehmen-was-uns-alles-so-erzaehlt-wird\/","title":{"rendered":"13. November 2024: Leserzuschrift &#8222;Hinweise und Rahmenbedingungen zur Neuwahl der Bundesregierung&#8220; &#8211;> Schlussfolgerung: Wir d\u00fcrfen nicht ungepr\u00fcft hinnehmen, was uns alles so erz\u00e4hlt wird!"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:10px;margin-bottom:10px;width:100%;\"><\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Mittwoch, 13. November 2024<\/p>\n<p>Guten Tag ,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Friedrich Merz, der Fraktionsvorsitzende der SPD, Rolf M\u00fctzenich, sowie die Fraktionsvorsitzende der Gr\u00fcnen, Britta Ha\u00dfelmann, haben sich mit Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier getroffen, um \u00fcber die Vertrauensfrage des Bundeskanzlers zu beraten und einen m\u00f6glichen Termin f\u00fcr Neuwahlen zu besprechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Besprechung der Fraktionsvorsitzenden von SPD, Gr\u00fcnen und Union beim Bundespr\u00e4sidenten Frank-Walter Steinmeier endete mit einer Einigung auf einen Zeitplan f\u00fcr Neuwahlen. Die wichtigsten Ergebnisse sind:<\/p>\n<ol style=\"font-weight: 400;\">\n<li>Bundespr\u00e4sident Steinmeier hat den vorgeschlagenen Zeitplan f\u00fcr Neuwahlen gebilligt<\/li>\n<li>Der 23. Februar 2025 wurde als Termin f\u00fcr die vorgezogene Bundestagswahl festgelegt<\/li>\n<li>Bundeskanzler Olaf Scholz wird am 16. Dezember 2024 die Vertrauensfrage im Bundestag stellen<\/li>\n<li>Steinmeier hat angek\u00fcndigt, im Falle eines Misstrauensvotums rasch \u00fcber eine Aufl\u00f6sung des Bundestags zu entscheiden<\/li>\n<li>Der Bundespr\u00e4sident wird vor der Aufl\u00f6sung des Bundestags Gespr\u00e4che mit den Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien f\u00fchren<\/li>\n<li>Steinmeier betonte die Wichtigkeit von Transparenz und Integrit\u00e4t des Wahlprozesses f\u00fcr das Vertrauen in die Demokratie<\/li>\n<li>Der Bundespr\u00e4sident warb daf\u00fcr, dass alle Fraktionen der Mitte verantwortungsvoll dar\u00fcber beraten, welche Gesetzesvorhaben noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden k\u00f6nnen, um die Sicherheit und internationale Verl\u00e4sslichkeit Deutschlands zu gew\u00e4hrleisten<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch auf welcher Rechtsgrundlage fand dieses Treffen statt? Waren diese vier Personen \u00fcberhaupt befugt, \u00fcber solche Fragen zu entscheiden und einen Wahltermin festzulegen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das beschriebene Treffen zwischen den Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD und Gr\u00fcnen sowie dem Bundespr\u00e4sidenten und die Diskussion \u00fcber die Vertrauensfrage des Bundeskanzlers und einen m\u00f6glichen Bundestagswahltermin werfen interessante Fragen bez\u00fcglich der verfassungsrechtlichen Kompetenzen und Zust\u00e4ndigkeiten auf. Um diese Fragen zu beantworten, m\u00fcssen wir uns mit den relevanten Bestimmungen des\u00a0<strong>Grundgesetzes (GG)<\/strong>\u00a0besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Vertrauensfrage des Bundeskanzlers<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gem\u00e4\u00df Artikel\u00a0<strong>68 GG<\/strong>\u00a0kann der Bundeskanzler dem Bundestag die Vertrauensfrage stellen. Sollte der Bundestag dem Bundeskanzler das Vertrauen verweigern, kann der Bundespr\u00e4sident auf Vorschlag des Bundeskanzlers den Bundestag aufl\u00f6sen. Dies ist jedoch kein automatischer Prozess, sondern unterliegt der Entscheidung des Bundespr\u00e4sidenten. Die Vertrauensfrage und eine m\u00f6gliche Aufl\u00f6sung des Bundestages betreffen prim\u00e4r den Bundeskanzler, den Bundestag und den Bundespr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Kompetenz der Fraktionsvorsitzenden<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Fraktionsvorsitzenden haben in diesem Kontext keine verfassungsrechtliche Kompetenz, um \u00fcber die Einbringung einer Vertrauensfrage oder die Aufl\u00f6sung des Bundestages zu entscheiden. Sie k\u00f6nnen jedoch im Rahmen informeller politischer Gespr\u00e4che und Verhandlungen eine gemeinsame politische Linie abstimmen oder ihre Positionen darlegen. Das Treffen mit dem Bundespr\u00e4sidenten k\u00f6nnte also als informeller Austausch \u00fcber die aktuelle politische Lage interpretiert werden, bei dem die Fraktionsvorsitzenden ihre Sichtweise dargelegt haben. Entscheidend ist, dass formell nur der Bundeskanzler die Vertrauensfrage stellen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Falls dieses Treffen tats\u00e4chlich so stattgefunden hat, handelt es sich eher um eine politische Absprache, die jedoch rechtlich keinen bindenden Charakter hat und die verfassungsm\u00e4\u00dfigen Verfahren nicht ersetzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier sind die Schritte zur\u00a0<strong>Vertrauensfrage<\/strong>,\u00a0<strong>Abwahl des Bundeskanzlers<\/strong>,\u00a0<strong>Aufl\u00f6sung des Bundestages<\/strong>\u00a0und\u00a0<strong>Festlegung eines Wahltermins<\/strong>\u00a0gem\u00e4\u00df dem\u00a0<strong>Grundgesetz<\/strong>\u00a0kurz zusammengefasst:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Stellen der Vertrauensfrage (Art. 68 GG)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"font-weight: 400;\">\n<li><strong>Initiative<\/strong>: Der Bundeskanzler kann dem Bundestag die Vertrauensfrage stellen, z.B. mit der Formulierung:\u00a0<em>&#8222;Stimmt der Bundestag meiner Politik zu?&#8220;<\/em>.<\/li>\n<li><strong>Abstimmung<\/strong>: Der Bundestag stimmt \u00fcber die Frage ab.<\/li>\n<li><strong>Ergebnis<\/strong>:\n<ul>\n<li><strong>Vertrauen wird ausgesprochen<\/strong>: Die Regierung bleibt im Amt.<\/li>\n<li><strong>Vertrauen wird verweigert<\/strong>: Der Bundeskanzler kann den Bundespr\u00e4sidenten bitten, den Bundestag\u00a0<strong>aufzul\u00f6sen<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Frist<\/strong>: Zwischen dem Stellen der Frage und der Abstimmung m\u00fcssen\u00a0<strong>mindestens 48 Stunden<\/strong>\u00a0liegen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Entscheidend ist, dass der Bundeskanzler den Bundespr\u00e4sidenten um die Aufl\u00f6sung des Bundestages bitten\u00a0<em>kann<\/em>, aber dazu nicht verpflichtet ist.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Aufl\u00f6sung des Bundestages (Art. 68 GG)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<ul style=\"font-weight: 400;\">\n<li><strong>Vorschlag des Bundeskanzlers<\/strong>: Nach einer verlorenen Vertrauensfrage kann der Bundeskanzler dem Bundespr\u00e4sidenten die Aufl\u00f6sung des Bundestages vorschlagen.<\/li>\n<li><strong>Entscheidung des Bundespr\u00e4sidenten<\/strong>: Der Bundespr\u00e4sident kann den Bundestag\u00a0<strong>innerhalb von 21 Tagen<\/strong>\u00a0aufl\u00f6sen, ist jedoch\u00a0<strong>nicht verpflichtet<\/strong>\u00a0dazu.<\/li>\n<li><strong>Neuwahlen<\/strong>: Werden angeordnet, m\u00fcssen Neuwahlen\u00a0<strong>innerhalb von 60 Tagen<\/strong>\u00a0stattfinden.<\/li>\n<li><strong>Vorschlag der Bundesregierung<\/strong>: Die Bundesregierung schl\u00e4gt dem Bundespr\u00e4sidenten in der Regel einen Termin f\u00fcr die Neuwahlen vor. Das ist der \u00fcbliche Prozess, um den Wahltermin in Abstimmung mit den L\u00e4ndern und der Wahlleitung festzulegen.<\/li>\n<li><strong>Entscheidungsbefugnis des Bundespr\u00e4sidenten<\/strong>: Der Bundespr\u00e4sident\u00a0<strong>muss diesem Vorschlag nicht folgen<\/strong>. Er hat das letzte Wort und kann den Wahltermin auch abweichend festlegen, solange er die verfassungsrechtlichen Vorgaben einh\u00e4lt. Der Termin muss\u00a0<strong>innerhalb von 60 Tagen<\/strong>\u00a0nach der Aufl\u00f6sung des Bundestages liegen (Art. 39 Abs. 1 GG).<\/li>\n<li><strong>Praktische Umsetzung<\/strong>: In der Praxis orientiert sich der Bundespr\u00e4sident oft am Vorschlag der Bundesregierung, vor allem aus Gr\u00fcnden der politischen Abstimmung und um eine reibungslose Durchf\u00fchrung der Wahl zu gew\u00e4hrleisten. Dennoch bleibt ihm die Freiheit, einen anderen Termin festzulegen, wenn es beispielsweise organisatorische Bedenken gibt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Bundesregierung bittet den Bundespr\u00e4sidenten zwar um die Festlegung eines bestimmten Wahltermins, aber der Bundespr\u00e4sident kann diesen nach eigenem Ermessen festsetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Besprechung zwischen den Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD und Gr\u00fcnen sowie dem Bundespr\u00e4sidenten hatte keinerlei rechtliche Relevanz &#8211; sie war schlichtweg ein politisches Schaufenster ohne verbindliche Konsequenzen. Es wurde keinerlei rechtsverbindliche Entscheidung getroffen, die das politische Geschehen in irgendeiner Weise ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. Olaf Scholz bleibt weiterhin derjenige, der das Heft des Handelns in der Hand h\u00e4lt, und es liegt ausschlie\u00dflich in seiner Verantwortung, die Vertrauensfrage zu stellen oder den Weg f\u00fcr Neuwahlen freizumachen. Allein er kann entscheiden, ob und wann es zu einer politischen Wende kommt &#8211; die Fraktionsvorsitzenden, selbst wenn sie sich mit dem Bundespr\u00e4sidenten beraten haben, sind dabei weitgehend machtlos.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Tatsache, dass der Bundespr\u00e4sident und die Fraktionsvorsitzenden in dieser Besprechung lediglich den politischen Austausch suchten, \u00e4ndert nichts an der dominierenden Rolle von Olaf Scholz. Sollte die Opposition, vertreten durch Friedrich Merz, auf eine Ver\u00e4nderung im Kanzleramt hoffen, kann sie dies nur durch den konstruktiven Misstrauensantrag erreichen. Solange dieser nicht gestellt wird, bleibt Scholz im Amt &#8211; selbst bis zum offiziellen Wahltermin im September 2025.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zusammengefasst: Die Verantwortung liegt klar bei Friedrich Merz. Wenn er tats\u00e4chlich vorhat, den Kanzler abzusetzen und selbst ins Amt zu kommen, kann er dies innerhalb von 52 Stunden mit einem konstruktiven Misstrauensantrag tun. Sollte er sich dagegen entscheiden, wird Olaf Scholz weiterhin die politische B\u00fchne dominieren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es bleibt abzuwarten, ob im Gespr\u00e4ch zwischen den Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD und Gr\u00fcnen mit dem Bundespr\u00e4sidenten bereits \u00dcberlegungen zu einer schwarz-rot-gr\u00fcnen Koalition, sowohl f\u00fcr die Gegenwart als auch f\u00fcr die Zukunft, angestellt wurden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">David C. (Der Verfasser ist der Redaktion bekannt.)<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:10px;margin-bottom:10px;width:100%;\"><\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":38,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-9299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maschinenraum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/38"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9299"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9300,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9299\/revisions\/9300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}