{"id":8409,"date":"2024-05-04T03:49:06","date_gmt":"2024-05-04T01:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/?p=8409"},"modified":"2024-05-04T03:49:06","modified_gmt":"2024-05-04T01:49:06","slug":"zu-den-ursachen-des-kriegs-in-der-ukraine-2014-auseinandersetzungen-in-der-ukraine-massenmord-und-ein-gewerkschaftshaus-steht-in-flammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/zu-den-ursachen-des-kriegs-in-der-ukraine-2014-auseinandersetzungen-in-der-ukraine-massenmord-und-ein-gewerkschaftshaus-steht-in-flammen\/","title":{"rendered":"Zu den Ursachen des Kriegs in der Ukraine: 2014: Auseinandersetzungen in der Ukraine &#8211; Massenmord und ein Gewerkschaftshaus steht in Flammen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:7px;margin-bottom:7px;width:100%;\"><\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:7px;margin-bottom:7px;width:100%;\"><\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><hr \/>\n<div class=\"default-style\"><\/div>\n<div class=\"default-style\"><\/div>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN-Interview: Ukraine-Krieg &#8211; Zehn Jahre nach dem Massenmord von Odessa, Teil 1<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708593\/dwn-interview-ukraine-krieg-zehn-jahre-nach-dem-massenmord-von-odessa?utm_content=link_3&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=dwn_telegramm&amp;utm_source=mid2861&amp;f_tid=0Xi3pVJgjj18Rw7uyTBCwQ\">SPEICHERN\u00a0\u00a0<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">02.05.2024 06:35<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am 2. Mai 2014 ist es in der ukrainischen Stadt Odessa zu einem Massenmord gekommen, bei dem fast f\u00fcnfzig Menschen qualvoll ums Leben gekommen sind. In den westlichen Medien fand der Vorfall seinerzeit wenig Beachtung. Auch zehn Jahre danach wird die Bedeutung dieses Ereignisses f\u00fcr die aktuelle politische Lage weiterhin untersch\u00e4tzt. Die DWN sprechen mit dem Milit\u00e4rhistoriker Dr. Lothar Schr\u00f6ter, welche geopolitische Bedeutung der Krim und der Stadt Odessa zukommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/author?id=26579\"><strong>MORITZ ENDERS<\/strong><\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8411\" src=\"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004-200x113.jpg 200w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004-300x169.jpg 300w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004-400x225.jpg 400w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004-600x338.jpg 600w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004-768x432.jpg 768w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image004.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Region Odessa war Ende 2013\/Anfang 2014 ein Widerstandszentrum gegen den Maidan-Putsch (Foto: iStockphoto.com\/repinanatoly).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mehr zum Thema:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/200130?src=top\">Interview<\/a>\u00a0&gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/24964?src=top\">Politik<\/a>\u00a0&gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/2599?src=top\">Ukraine<\/a>\u00a0&gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/318?src=top\">Russland<\/a>\u00a0&gt;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Massenmord in der ukrainischen Stadt Odessa ist ein plakatives Beispiel daf\u00fcr, mit welcher Brutalit\u00e4t rechtsextreme Gruppierungen in der Ukraine gegen Teile der eigenen Bev\u00f6lkerung vorgehen. Dar\u00fcber sprachen die Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit dem Milit\u00e4rhistoriker und Major a. D. der NVA Dr. Lothar Schr\u00f6ter, dessen Buch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/der-ukrainekrieg.html\"><strong>Der Ukraine-Krieg<\/strong><\/a>\u00a0k\u00fcrzlich erschienen ist. Au\u00dferdem erl\u00e4utert Schr\u00f6ter, welche geopolitische Bedeutung der Krim und der Stadt Odessa zukommen und warum es gerade Frankreich ist, das einen Einsatz seiner Truppen in der Ukraine ins Spiel gebracht hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:<\/strong>\u00a0<em>Vor zehn Jahren kam es zu einem Anschlag auf ein Gewerkschaftshaus in Odessa. K\u00f6nnen Sie unseren Lesern in Erinnerung rufen, wie es dazu kommen konnte?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:<\/strong>\u00a0Odessa war ein Zentrum des Widerstandes gegen den Maidan-Putsch Ende 2013\/Anfang 2014, aber auch eine starke Bastion der prowestlichen, nationalistischen und auch teilweise faschistischen Kr\u00e4fte. Dennoch hatte es in der Stadt zun\u00e4chst keine offensichtlichen Gewaltakte zwischen den sich gegen\u00fcberstehenden Lagern gegeben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8410\" src=\"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-04-13-Zehn-Jahre-nach-Odessa-Interview-Foto-Schr-ter-privat2-662f93de6723f-662f93de678e4-234x300.jpg\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-04-13-Zehn-Jahre-nach-Odessa-Interview-Foto-Schr-ter-privat2-662f93de6723f-662f93de678e4-200x256.jpg 200w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-04-13-Zehn-Jahre-nach-Odessa-Interview-Foto-Schr-ter-privat2-662f93de6723f-662f93de678e4-234x300.jpg 234w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-04-13-Zehn-Jahre-nach-Odessa-Interview-Foto-Schr-ter-privat2-662f93de6723f-662f93de678e4-400x512.jpg 400w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2024-04-13-Zehn-Jahre-nach-Odessa-Interview-Foto-Schr-ter-privat2-662f93de6723f-662f93de678e4.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitte Januar 2014 eskalierte die Situation, etwa parallel zur Versch\u00e4rfung der Lage in Kiew. Es gab massive Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen Demonstranten und Sicherheitskr\u00e4ften, z. B. in der N\u00e4he des Geb\u00e4udes der regionalen Staatsverwaltung von Odessa. Alles steigerte sich zu einer harten Konfrontation zwischen den Verfechtern des so bezeichneten Euromaidan und den Gegnern der nationalistisch-faschistischen Kr\u00e4fte, welche auf dem Maidan in Kiew gegen die Janukowitsch-F\u00fchrung aufbegehrten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ende Februar\/Anfang M\u00e4rz, als auch in Odessa Vertreter des neuen Regimes die Oberhoheit beanspruchten, uferten die Ereignisse aus. Wie in der gesamten \u00f6stlichen und s\u00fcd\u00f6stlichen Ukraine verlangten auch in Odessa die Gegner des Umsturzregimes, dass die russische Sprache im Lande wie bisher benutzt werden darf, den Schutz der Rechte der russischsprachigen Minderheit und eine Dezentralisierung der Macht in der Ukraine im Sinne von Autonomieregelungen. Au\u00dferdem sollten gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Russland unterhalten und dem Rechtsextremismus entgegengetreten werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den Horror-H\u00f6hepunkt markierte dann der Massenmord am 2. Mai 2014: Auf einer Freifl\u00e4che vor dem \u00f6rtlichen Gewerkschaftshaus hatten etwa 300 Gegner des \u201eEuromaidan\u201c eine Zeltstadt errichtet. Viele von dessen Anh\u00e4ngern hatten sich etwa zeitgleich im Stadtzentrum von Odessa versammelt. Dort kam es zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen, w\u00e4hrend derer beide Seiten Schlagst\u00f6cke, Stahlrohre, Pflastersteine, Rauchbomben und Molotowcocktails, aber auch Schusswaffen einsetzten. 6 Menschen (2 Anh\u00e4nger des \u201eEuromaidan\u201c und 4 ihrer Widersacher) verloren dabei ihr Leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Maidan-Leute waren zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegen, weswegen sich ihre Gegner teilweise vor das Gewerkschaftshaus zur\u00fcckzogen. Dorthin wurden sie verfolgt mit neuen Szenen der Gewalt. Zuerst wurde versucht, die Zeltstadt zu zerst\u00f6ren. Die Polizei unternahm nichts, um die Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen. Es flogen Steine und Molotowcocktails. Als die Angreifer \u2013 es wird von insgesamt etwa 2.000 Anh\u00e4ngern des Maidan-Putsches berichtet \u2013 sich mehr und mehr durchsetzten, flohen die Angegriffenen in das Gewerkschaftshaus. Dort verschanzten sich etwa 380 Menschen. Am Abend dann stand das gesamte Geb\u00e4ude in hellen Flammen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Angaben zur Zahl der Toten der H\u00f6lle von Odessa schwanken, wenn auch nur leicht. Realistisch sind 48 Tote insgesamt, davon 31 im Gewerkschaftshaus (1 weiterer Mensch von dort starb an seinen Verbrennungen im Krankenhaus), 9 Tote beim Sprung aus den Fenstern des brennenden Geb\u00e4udes, 1 weiterer im Krankenhaus an den erlittenen Verletzungen, 4 Tote im Stadtzentrum, 2 weitere im Krankenhaus an erlittenen Schussverletzungen. Mehr als 250 Menschen wurden verletzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unter den Toten waren sieben Frauen und ein gerade noch Minderj\u00e4hriger. Die meisten stammten aus Odessa oder dem Gebiet Odessa, sie waren also alle ukrainische Staatsangeh\u00f6rige.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es waren ukrainische Faschisten, vor allem des organisierten \u201eRechten Sektors\u201c, die das Gewerkschaftshaus in Brand steckten. Die T\u00e4ter wurden nie zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil wird das Verbrechen heute sogar hochstilisiert zur Heldentat. Der ukrainische Abgeordnete der nationalistischen Radikalen Partei Mossijtschuk erkl\u00e4rte am 2. Mai 2016 entsprechend: \u201eEs wird eine Zeit kommen, in der der 2. Mai ein nationaler Feiertag sein wird, denn an diesem Tag haben die Ukrainer den ersten wirklichen Sieg im gegenw\u00e4rtigen nationalen Befreiungskrieg errungen.\u201c Und in einem Internet-Nachrichtenportal aus Odessa wurde am 7. Mai 2014 ein Vertreter des \u201eRechten Sektors\u201c mit den Worten zitiert: \u201eDer 2. Mai ist eine weitere leuchtende Seite unserer vaterl\u00e4ndischen Geschichte.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:\u00a0<\/strong><em>Wie kommt es, dass gerade in der Ukraine neonazistische Gruppen einen derart starken Einfluss haben?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:\u00a0<\/strong>Man muss zwischen der West- und der Ostukraine unterscheiden und den Blick auf die Geschichte richten. Die Westukraine geh\u00f6rte mit dem Gebietsteil Galizien zur Habsburgermonarchie (bis zu deren Zusammenbruch 1918), danach gr\u00f6\u00dftenteils zum wiedererstandenen Polen. Galizien hatte den Blick vorrangig nach Westen \u2013 nicht nach Russland \u2013 gerichtet, denn die nun wieder polnischen Teile des Zarenreiches hatten zuvor unter der Knute des Zarismus noch viel mehr gelitten als die anderen Teile unter \u00f6sterreichischer und deutscher Herrschaft. Alles fruchtbarer Boden f\u00fcr Russophobie. Dies versch\u00e4rfte sich noch, als im Ergebnis des polnischen Aggressionskrieges gegen Sowjetrussland zwischen 1918 und 1921 gro\u00dfe Teile der Westukraine erpresserisch von Sowjetrussland abgetrennt wurden. Sie gerieten unter das Diktat des halbfaschistischen, antirussischen und besonders antisowjetischen Regimes in Warschau, f\u00fcr das der Name Pi\u0142sudski (1867-1935) steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nach der Wiederherstellung der Curzon-Linie 1939, von den Westalliierten am 8. Dezember 1919 als Demarkationslinie zwischen Sowjetrussland und Polen verk\u00fcndet, und besonders nach dem \u00dcberfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR am 22. Juni 1941 erlebte die Russophobie im Kontext eines insgesamt extremen Nationalismus in der Westukraine einen rasanten Aufstieg, der seinen nat\u00fcrlichen B\u00fcndnispartner im deutschen Faschismus fand. Die ukrainischen Nationalisten, die selbst nahtlos zu Faschisten mutierten, wurden Helfershelfer der hitlerdeutschen Okkupanten. Sie beteiligten sich am terroristischen Besatzungsregime, ermordeten Tausende von Ukrainern, Russen, Polen, Juden und Angeh\u00f6rigen anderer Nationalit\u00e4ten, von Kommunisten, Partisanen und Widerstandsk\u00e4mpfern, richteten blutige Massaker an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stellvertretend f\u00fcr diese Kriegsverbrecher und Massenm\u00f6rder stehen Stepan A. Bandera, Roman J. Schuchewitsch oder Jaroslaw S. Stezko. Letzteren, der seit 1966 Ehrenb\u00fcrger der kanadischen Stadt Winnipeg war, empfingen 1983 USA-Pr\u00e4sident Reagan und sein Stellvertreter Bush als \u201eletzten Ministerpr\u00e4sidenten eines freien ukrainischen Staates\u201c im Wei\u00dfen Haus, und am 11. Juli 1982 hatte die rot-schwarze Flagge der ukrainischen Faschisten-Organisation OUN-B \u00fcber dem Kapitol in Washington geflattert. Noch lange nach der Befreiung 1945 setzten die ukrainischen Faschisten ihren Terrorkrieg gegen Bev\u00f6lkerung und Staat fort. Erst 1954 wurden sie vorerst endg\u00fcltig besiegt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die sp\u00e4testens nach der \u201eorangenen Revolution\u201c Ende 2004\/Anfang 2005 einsetzende Verehrung f\u00fcr Bandera, Schuchewitsch, Strezko und andere Faschisten, f\u00fcr ihren \u201enationalen Befreiungskampf\u201c, \u00f6ffnete das Ventil f\u00fcr eine Faschisierung von Teilen der ukrainischen Gesellschaft. Nun soll sogar in einem historischen Park in Kiew f\u00fcr sie ein \u201eNationales Pantheon der Helden\u201c errichtet werden. Vor diesem gesamten Hintergrund nimmt es nicht wunder, dass die Nationalisten und Faschisten in der Westukraine die h\u00f6chsten Wahlergebnisse verzeichnen. Ihre parlamentarische Vertretung \u201eSwoboda\u201c erreichte bei den Wahlen 2012, als sie im gesamten Land gut 10 Prozent der abgegebenen Stimmen erlangte, in den westlichen Regionen der Ukraine weitaus mehr, so im Gebiet Lwow \u00fcber 38 Prozent oder in Iwano-Frankowsk fast 34 Prozent.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Au\u00dferdem ist der ideologisch verhetzende Einfluss von \u201eSwoboda\u201c und aller ukrainischen Rechtsextremen bis heute weitaus gr\u00f6\u00dfer, als es die Wahlergebnisse ausdr\u00fccken. Zu Iwano-Frankowsk noch: Zu dieser von einem bekennenden Faschisten als B\u00fcrgermeister gef\u00fchrten Kommune nahm die Landeshauptstadt Potsdam unter SPD-Oberb\u00fcrgermeister Schubert 2023 bewusst eine St\u00e4dtepartnerschaft auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:<\/strong>\u00a0<em>Werden diese Gruppierungen von anderen M\u00e4chten instrumentalisiert, um geopolitische Interessen durchzusetzen?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:<\/strong>\u00a0Instrumentalisiert ist vielleicht zu viel gesagt. Zwei US-Pr\u00e4sidenten sollen einen lateinamerikanischen Diktator so charakterisiert haben: \u201eEr ist ein Schweinehund, aber er ist unser Schweinehund.\u201c Die 1918 geschlagenen uniformierten und zivilen deutschen Eliten mochten den b\u00f6hmischen Gefreiten Hitler auch nicht. Aber er war ihnen 1933 das N\u00fctzlichste, was ihnen passieren konnte. Und so ist es wohl mit den ukrainischen Nationalisten und Faschisten auch. Man sieht \u00fcber ihre uns\u00e4gliche Programmatik, ihre Untaten, ja ihre Verbrechen hinweg. So wie der Westen als oberster H\u00fcter der lupenreinen Demokratie auch dar\u00fcber hinwegsieht, dass in der Ukraine alle oppositionellen Parteien verboten sind oder dass die Korruption in Staat und Gesellschaft ungeahnte Ausma\u00dfe erreicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist f\u00fcr den Wertewesten ebenso unwesentlich wie, wenn in den baltischen Staaten Neonazis das Haupt erheben, faschistische Traditionsvereine fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd feiern und Friedh\u00f6fe f\u00fcr SS-Veteranen angelegt und staatlicherseits gef\u00f6rdert werden, w\u00e4hrend Gedenkst\u00e4tten f\u00fcr die Opfer der faschistischen Barbarei, z. B. die f\u00fcr das j\u00fcdische Ghetto in Riga, auf private Spenden angewiesen sind, um ihre Mahn-und Aufkl\u00e4rungsarbeit fortsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:<\/strong>\u00a0<em>Welches ist die milit\u00e4risch-strategische Bedeutung der Krim f\u00fcr die Russische F\u00f6deration? Was w\u00e4re das Ergebnis gewesen, w\u00e4re Russland von der Halbinsel vollst\u00e4ndig verdr\u00e4ngt worden?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:\u00a0<\/strong>Zun\u00e4chst muss man wissen, dass die russische Seekriegsflotte f\u00fcnf operativ-strategische Gruppierungen umfasst, von denen jede einzelne (mit Ausnahme vielleicht der Kaspischen Flottille) f\u00fcr Russland existenziell ist. Mit anderen Worten: Der Bedeutungsverlust schon einer einzigen dieser Gruppierungen w\u00fcrde die Verteidigungsf\u00e4higkeit des Landes insgesamt in Frage stellen, auf jeden Fall aber die Rolle Russlands als Gro\u00df- und Weltmacht. Eine dieser Gruppierungen ist die Schwarzmeerflotte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die milit\u00e4rischen Hauptbedrohungen Russlands mit Ziel auf sein Herz kommen von Land direkt von Westen und von See her von S\u00fcden. Das hatte sich schon im B\u00fcrger- und Interventionskrieg (1918-1922) und im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg (1941-1945) gezeigt. Von dorther bestimmt sich nun die \u00fcberhaupt nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzende Rolle der russischen Schwarzmeerflotte auch heute. Zus\u00e4tzlich dazu ist es ihr Auftrag, dazu beizutragen, dass Russland auf kurzem Weg Zugang zum Mittelmeer beh\u00e4lt. Nicht zuletzt soll die russische Schwarzmeerflotte die Verbindung und allseitige Versorgung ihrer eigenen Seekriegsbasis im syrischen Tartus gew\u00e4hrleisten mit den entsprechenden politisch-milit\u00e4rischen Einflussm\u00f6glichkeiten im Nahen Osten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die russische Schwarzmeerflotte besitzt in der Region sechs Marinebasen. Ganz deutlich vor Noworossisk an der Ostk\u00fcste (wohin jetzt wegen der ukrainischen Drohnenangriffe und der schon eingetretenen schmerzhaften Verluste gro\u00dfe Teile der schwimmenden Einheiten verlagert wurden) ist Sewastopol\u00a0<em>der<\/em>\u00a0Marinest\u00fctzpunkt der russischen Flotte im Schwarzen Meer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seine erzwungene Aufgabe drohte schon 2013\/14, als in Kiew die extrem nationalistischen Kr\u00e4fte das \u00dcbergewicht gewannen und die Verwandlung Sewastopols in einen riesigen Marinest\u00fctzpunkt der NATO absehbar war. Dies h\u00e4tte bedeutet, dass, nachdem Bulgarien und Rum\u00e4nien mit ihren Seestreitkr\u00e4ften und Marinebasen bereits an den Nordatlantikblock verloren gegangen waren, das Schwarze Meer zum Mare Nostrum der NATO geworden w\u00e4re. So, wie es weitestgehend schon das Mittelmeer ist und wie es nach dem Willen des Nordatlantikpaktes und vor allem seiner besonders russlandfeindlichen Mitglieder Polen und aus den Baltikum die Ostsee werden soll. Der Verteidigungsminister der nach dem Maidan-Putsch an die Macht gekommenen ukrainischen Regierung erkl\u00e4rte denn auch sofort, dass er die 1997 geschlossene Vereinbarung \u00fcber den russischen Flottenst\u00fctzpunkt f\u00fcr eine unertr\u00e4gliche Schmach halte, die schnellstm\u00f6glich aus der Welt zu schaffen sei.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der au\u00dferordentlich bedeutungsvolle globalstrategische Vordenker der USA Brzezi\u0144ski, dessen weitreichende, gar nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzende Ideen f\u00fcr Washington auch noch heute den Fahrplan bestimmen, hatte schon im Jahre 1997 betont, dass die Halbinsel Krim uneingeschr\u00e4nkt dem russischen Einflussraum entrissen werden m\u00fcsse, um Moskau geostrategisch g\u00e4nzlich aus dem Schwarzen Meer und der assoziierten Region zu dr\u00e4ngen. Gew\u00e4nne man die Krim f\u00fcr die NATO, so Brzezi\u0144ski, w\u00e4ren auch jegliche Bestrebungen f\u00fcr regionale Hegemonie Russlands in Eurasien verwirkt. Der namhafte US-amerikanische \u00d6konom Jeffrey D. Sachs sch\u00e4tzte dazu ein: \u201eDas alles kann man als Wiederauflage des Krimkriegs (1853-1856) betrachten: Russland soll aus der Schwarzmeerregion gedr\u00e4ngt werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schon aus all den aufgef\u00fchrten rein machtpolitischen Gr\u00fcnden, aber auch aus Gr\u00fcnden des relativen milit\u00e4rischen Gleichgewichts als Voraussetzung f\u00fcr die Friedenserhaltung konnte und kann Moskau den Verlust der Krim nie und unter keinen Umst\u00e4nden zulassen. \u00c4hnlich war die Situation f\u00fcr die USA mit den sowjetischen Nuklearraketen auf Kuba 1962.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>Lesen Sie auch\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708619\/dwn-interview-zehn-jahre-nach-dem-massenmord-in-odessa-ukraine-teil-2\">den zweiten Teil dieses Interviews<\/a>, in dem Milit\u00e4rhistoriker Lothar Schr\u00f6ter aufzeigt, welche Rolle Odessa im aktuellen Ukraine-Krieg zuf\u00e4llt, warum der Krieg eine Zeitenwende darstellt und warum Frankreich \u00fcber die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nachdenkt.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Weiterlesen<\/strong><\/p>\n<ul style=\"font-weight: 400;\">\n<li><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708425\/russland-kann-weder-bezwungen-noch-eingeschuechtert-werden\"><strong>\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u201eRussland kann weder bezwungen noch eingesch\u00fcchtert werden.\u201c<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708073\/dreimal-mehr-artilleriegranaten-als-eu-und-usa-russlands-ruestungsindustrie-floriert\"><strong>Dreimal mehr Artilleriegranaten als EU und USA: Russlands R\u00fcstungsindustrie floriert<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/707814\/ukraine-konflikt-wir-haben-die-wahl-zwischen-diplomatie-und-weltkrieg\"><strong>Ukraine-Konflikt: Wir haben die Wahl zwischen Diplomatie und Weltkrieg<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>Info zur Person:<\/em><\/strong><em>\u00a0Dr. Lothar Schr\u00f6ter, geboren 1952, studierte von 1970 bis 1974 Geschichte und Russische Sprache an der P\u00e4dagogischen Hochschule in Leipzig. Er absolvierte anschlie\u00dfend ein postgraduales Studium der Milit\u00e4rgeschichte und arbeitete bis 1990 erst als wissenschaftlicher Assistent am Milit\u00e4rgeschichtlichen Institut in Potsdam, dann als promovierter und habilitierter Oberassistent und Dozent. Bis zum Eintritt ins Rentenalter in der beruflichen Aus- und Weiterbildung t\u00e4tig. Zahlreiche Publikationen, darunter \u201eMilit\u00e4rgeschichte der BRD\u201c (1989), \u201eDie NATO im Kalten Krieg\u201c (2009), \u201eUSA \u2013 Supermacht oder Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen?\u201c (2009) und \u201eK\u00fcnftige Supermacht in Asien? Milit\u00e4rpolitik und Streitkr\u00e4fte der Volksrepublik China\u201c (2011). Sein j\u00fcngstes Buch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/der-ukrainekrieg.html\"><strong>Der Ukraine-Krieg<\/strong><\/a>\u00a0ist in der Edition Ost der Eulenspiegel Verlagsgruppe erschienen. Seit 1996 ist Schr\u00f6ter Mitglied im Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e. V.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mehr zum Thema:<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Milit\u00e4rhistoriker Lothar Schr\u00f6ter im DWN-Interview: Die Folgen des Massenmords von Odessa 2014, Teil 2<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708619\/militaerhistoriker-lothar-schroeter-im-dwn-interview-die-folgen-des-massenmords-von-odessa-2014?utm_content=link_5&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=dwn_telegramm&amp;utm_source=mid2861&amp;f_tid=0Xi3pVJgjj18Rw7uyTBCwQ\">SPEICHERN\u00a0\u00a0<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">02.05.2024 06:36<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Milit\u00e4rhistoriker Lothar Schr\u00f6ter ordnet im DWN-Interview den Massenmord in Odessa vom 2. Mai 2014 ein. Dabei geht er auch auf die Frage der geopolitischen Bedeutung der Krim und der Rolle Odessas im aktuellen Ukraine-Krieg ein. Warum stellt der Krieg eine Zeitenwende dar und weshalb denkt Frankreich \u00fcber die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine nach?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/author?id=26579\"><strong>MORITZ ENDERS<\/strong><\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8412\" src=\"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005-300x170.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005-200x113.jpg 200w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005-300x170.jpg 300w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005-400x226.jpg 400w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005-600x339.jpg 600w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005-768x434.jpg 768w, https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/image005.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Geb\u00e4ude des regionalen Gewerkschaftsrates in Odessa, Ukraine, steht am 02. Mai 2014 in Flammen (Foto: dpa).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mehr zum Thema:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/200130?src=top\">Interview<\/a>\u00a0&gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/24964?src=top\">Politik<\/a>\u00a0&gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/2599?src=top\">Ukraine<\/a>\u00a0&gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/tag\/318?src=top\">Russland<\/a>\u00a0&gt;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>Dies ist der zweite Teil des Interviews mit dem Milit\u00e4rhistoriker Dr. Lothar Schr\u00f6ter. Lesen Sie unbedingt auch\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708593\/dwn-interview-ukraine-krieg-zehn-jahre-nach-dem-massenmord-von-odessa\">den ersten Teil dieses Interviews<\/a>, in dem der Experte auf die historischen Ursachen des Massenmords von Odessa blickt und welche Bedeutung dem Ereignis f\u00fcr den aktuellen Ukraine-Krieg zuf\u00e4llt.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:\u00a0<\/strong><em>Was ist die milit\u00e4r-strategische Bedeutung der Stadt Odessa?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:<\/strong>\u00a0Wir sollten in diesem Zusammenhang sicher von dem Gebiet Odessa mit seiner gleichnamigen Hauptstadt sprechen. Nur getrennt durch das Gebiet Nikolajew liegt es nahe des von Russland beanspruchten Gebiets Cherson.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die \u00fcberragende Bedeutung des Gebietes Odessa und vor allem seiner Metropole (bewohnt ganz \u00fcberwiegend von Russischst\u00e4mmigen und Russischsprachigen) ergibt sich daraus, dass sie f\u00fcr die Zukunft des ukrainischen Staates entscheidend sind. Denn nur, wenn die Ukraine den Zugang zum Schwarzen Meer behalten kann (auch das Gebiet Nikolajew w\u00fcrde ja fallen), hat sie eine Chance wirtschaftlich zu \u00fcberleben \u2013 \u00fcberhaupt zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber die drei H\u00e4fen Tschernomorsk, Jushny und haupts\u00e4chlich Odessa l\u00e4uft der L\u00f6wenanteil der ukrainischen Ausfuhren an Getreide, eines der Hauptexportg\u00fcter des Landes. In der zweiten H\u00e4lfte 2023 waren es 93 Prozent. Das Gebiet Odessa geh\u00f6rt zu den wirtschaftlich am h\u00f6chsten entwickelten der Ukraine (bei alledem ist zu bedenken, dass die verlorengegangenen Industrieregionen des Donbass vordem zwischen 16 und 20 Prozent des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschafteten). Milit\u00e4risch w\u00fcrde sein Verlust vor allem auch bedeuten, dass sie dann \u00fcber \u00fcberhaupt keine Seestreitkr\u00e4fte mehr verf\u00fcgen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der umgekehrten Sicht ergibt sich daraus f\u00fcr Russland die fast alles \u00fcberragende Priorit\u00e4t, die gesamte Schwarzmeerk\u00fcste unter seine Kontrolle zu bringen. Zwei wesentliche Momente kommen f\u00fcr Moskau hinzu: Mit der Inbesitznahme des Gebietes Odessa w\u00fcrde Russland an das politisch unberechenbare und augenblicklich dem Westen zuneigende Moldawien heranr\u00fccken und dort die S\u00fcdwestgrenze des russischen Staates befestigen k\u00f6nnen. Und Moskau w\u00fcrde den Anschluss an das russischsprachige und sich Russland zugeh\u00f6rig f\u00fchlende Transnistrien finden (das sich 1990 faktisch von Moldawien abgespalten hatte). Damit w\u00fcrden zugleich die dortigen, auf verlorenem Posten stehenden einheimischen und russischen Truppen entsetzt, gerade aber auch die in Gr\u00f6\u00dfenordnungen in Transnistrien gelagerten Vorr\u00e4te an Waffen und Munition dem Zugriff der Ukraine und damit des Westens entzogen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gebiet Odessa d\u00fcrfte damit milit\u00e4risch-strategisch noch deutlich \u00fcber die Bedeutung von Charkow im Norden hinausgehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass Moskau nicht daran denkt, die Schwarzmeerk\u00fcste zum jetzigen Zeitpunkt milit\u00e4risch g\u00e4nzlich der Ukraine zu entrei\u00dfen, hat wohl drei miteinander zusammenh\u00e4ngende Gr\u00fcnde. Zum einen sind dies milit\u00e4rgeografische: Zwischen den jetzt in Besitz genommenen Territorien und Odessa liegt das nur mit M\u00fchen und wohl nur mit erheblichen Opfern zu \u00fcberwindende nat\u00fcrliche Hindernis des Dnepr. Selbst wenn dies gel\u00e4nge, st\u00fcnde das schwer beherrschbare Problem der allseitigen Versorgung der in gro\u00dfer Zahl \u00fcberzusetzenden Truppen. Eine solche Katastrophe wie der R\u00fcckzug von dem auf dem rechten Ufer des Flusses gelegenen Cherson im Herbst 2022 kann, darf und will sich die russische F\u00fchrung nicht mehr leisten. Au\u00dferdem m\u00fcsste gegen Odessa ein Landungsunternehmen von See her gestartet werden. Dies w\u00e4re wegen zu geringer Landungskapazit\u00e4ten und den gezeigten wirksamen ukrainischen Bek\u00e4mpfungsmitteln kaum realistisch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Soll das Gebiet Odessa (auch das von Nikolajew) genommen werden, so scheint milit\u00e4risch grunds\u00e4tzlich am erfolgversprechendsten ein Durchbruch zwischen Dneprodshershinsk\/Dnepropetrowsk und Saporoshje. Dort ist der Dnepr am schmalsten. Zweifellos hat die russische milit\u00e4rische F\u00fchrung in dieser Beziehung nicht zuletzt den Weg der Befreiung von Odessa im Herbst 1943\/Fr\u00fchjahr 1944 vor Augen. Damals wurde der Hauptsto\u00df durch die 3. Ukrainische Front der Roten Armee in der Schlacht um den Dnjepr genau von dort in Richtung Kriwoi Rog und dann nach S\u00fcdwesten auf Nikolajew und Odessa entwickelt. Nur wei\u00df man das auch in Kiew\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der zweite Grund sind kombinierte politisch-milit\u00e4rische Kalkulationen. Sie laufen ganz offensichtlich darauf hinaus, die ukrainischen Streitkr\u00e4fte an der gesamten Frontlinie personell und materiell ausbluten zu lassen bei m\u00f6glichst geringen eigenen Verlusten und solchen der Zivilbev\u00f6lkerung beiderseits der Front. All das flankiert von der Aussicht auf nachlassende materielle und finanzielle Unterst\u00fctzung von Seiten des Westens und wachsende Kriegsm\u00fcdigkeit dort angesichts zunehmender wirtschaftlicher und sozialer Verwerfungen. Hinzu kommen die Schl\u00e4ge auf die kriegswichtige ukrainische Infrastruktur, die das frontwirksame Milit\u00e4rpotenzial Kiews nachhaltig schw\u00e4chen. Es ist ein Spiel auf Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der dritte Grund d\u00fcrfte die von Russland zu lange untersch\u00e4tzte und immer noch vorhandene F\u00e4higkeit der ukrainischen Streitkr\u00e4fte sein, mit Hilfe unterschiedlichster westlicher Aufkl\u00e4rungssysteme wirksame Schl\u00e4ge gegen (notwendigerweise zu konzentrierende) russische offensive milit\u00e4rische Gruppierungen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:\u00a0<\/strong><em>Dabei f\u00e4llt auf, dass ausgerechnet der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron die Entsendung von Truppen in die Ukraine erw\u00e4gt. Warum ist es gerade Frankreich, dass hier ein so gro\u00dfes Engagement zeigt?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:\u00a0<\/strong>Nach der Grande Guerre 1914-1918, als sich Frankreich als Hauptsiegermacht sah, begann der Kampf der franz\u00f6sischen Eliten, dass das Land in der Welt weiter als Gro\u00dfmacht anerkannt bleibt und entsprechend agieren kann. Mit M\u00fche gelang das erst einmal. Auf der Konferenz von Jalta (4.-11. Februar 1945) wurde Frankreich durch Einsatz der UdSSR als k\u00fcnftig vierte Hauptsiegermacht anerkannt. Es bekam eine gleichberechtigte Vertretung im k\u00fcnftigen Alliierten Kontrollrat (konstituierende Sitzung am 30. Juli 1945), und ihm wurde eine eigene Besatzungszone zugestanden. Dem Potsdamer Abkommen konnte Paris am 7. August 1945 beitreten, nachdem es zur Potsdamer Konferenz vorher nicht eingeladen worden war. 1949 wurde Frankreich nach den USA und Gro\u00dfbritannien dritte F\u00fchrungsmacht in der neu gegr\u00fcndeten NATO; Paris wurde sogar (bis 1966) Sitz der politischen F\u00fchrungsorgane des Milit\u00e4rblocks, das franz\u00f6sische Rocquencourt der milit\u00e4rischen. Doch der Abstieg schritt voran.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die 1954 bzw. 1962 verlorenen Kolonialkriege in Vietnam und Algerien, der Verlust der allermeisten Gebiete des riesigen franz\u00f6sischen Kolonialreichs bis 1960, der relative wirtschaftliche Bedeutungsverlust besonders gegen\u00fcber der BRD waren die sichtbarsten Zeichen daf\u00fcr. Kompensation sollten vor allem der Aufbau einer eigenen Kernwaffenstreitmacht (ab 1960) und eine mit dem Austritt aus der Milit\u00e4rorganisation der NATO 1966 verbundene selbstbewusste und unabh\u00e4ngige Au\u00dfenpolitik der F\u00fcnften Republik de Gaulles schaffen. Frankreich steht immer noch mit der BRD an der Spitze des Verbundes der europ\u00e4ischen kapitalistischen Staaten (heute der EU), doch glaubt es, in der Welt weiter an Einfluss verloren zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die j\u00fcngsten schm\u00e4hlichen milit\u00e4rischen Abz\u00fcge aus der Sahelzone \u2013 traditionell neokolonialistisches Aufmarschgebiet und Lieferantin strategisch wichtiger Rohstoffe f\u00fcr Frankreich \u2013 und parallel die zunehmenden Differenzen mit dem deutschen Nachbarn waren zweifellos nachhaltige Impulsgeber f\u00fcr das au\u00dfenpolitisch aggressive Profilierungsgebaren der F\u00fchrung in Paris unter Macron gegen\u00fcber Russland. Hinzukommen d\u00fcrfte ein historischer Aspekt: In den Interventionskriegen gegen Sowjetrussland holten sich die franz\u00f6sischen im Rahmen der Entente-Truppen 1918\/19 gerade in den R\u00e4umen Odessa, Cherson, Nikolajew, Sewastopol und Noworossisk blutige K\u00f6pfe und Nasen. Und nun gab es auch noch am 31. M\u00e4rz 2024 den 210. Jahrestag des Einzugs der gegen die napoleonischen Heere siegreichen Russen in Paris\u2026<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:<\/strong>\u00a0<em>Frankreich war ja bereits im Jahr 1853 an der Seite von Gro\u00dfbritannien in den so genannten Krimkrieg gegen Russland eingetreten. Kann man sagen, dass das schon seinerzeit ein begrenzt gef\u00fchrter Krieg zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten war? Und ging es \u2013 damals wie heute \u2013 vor allem um die Kontrolle des Schwarzen Meeres?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:<\/strong>\u00a0Zun\u00e4chst \u2013 v\u00f6llig richtig: Der Krimkrieg zwischen 1853 und 1856 war ein Krieg zwischen den europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chten; von ihnen nahm nur Preu\u00dfen nicht an ihm teil. Im Kern ging es darum, dass Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Russland ihre Einflusssph\u00e4ren und kolonialistischen Bestrebungen milit\u00e4risch absichern wollten. St. Petersburg strebte au\u00dferdem danach, das Staatsgebiet durch die so genannten Donauf\u00fcrstent\u00fcmer Moldau und Walachei zu erweitern, was zugleich mit einer \u2013 direkt und indirekt \u2013 erheblich st\u00e4rkeren russischen politischen Pr\u00e4senz auf dem Balkan verbunden gewesen w\u00e4re. Die anglo-franz\u00f6sischen Verb\u00fcndeten zielten darauf ab, nicht nur Russland zu schw\u00e4chen und m\u00f6glichst als Gro\u00dfmacht auf l\u00e4ngere Zeit auszuschalten, sondern das riesige eurasische Reich auch vom Nahen Osten fernzuhalten, um dort die eigenen kolonialistischen Ambitionen Wirklichkeit werden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Insofern ging es um weitaus mehr als nur um die Kontrolle des Schwarzen Meeres. Diese war vielmehr die Hauptvoraussetzung daf\u00fcr, alles andere umzusetzen. Ausgangspunkt war die nun schon traditionelle Gegnerschaft zwischen Russland und der T\u00fcrkei, aus der am Ende auch der unmittelbare Anlass f\u00fcr den Krimkrieg erwuchs. Da die T\u00fcrkei wegen ihrer zunehmenden Schw\u00e4che schon einige Zeit als \u201ekranker Mann\u201c am Bosporus galt, erblickte Russland die Chance, seine Macht auf Kosten Istanbuls deutlich zu st\u00e4rken und vielleicht sogar die t\u00fcrkischen Meerengen unter seine Gewalt zu zwingen, womit der Zugang zum Mittelmeer gegeben w\u00e4re, bzw. auch andere t\u00fcrkische Gebiete zu erobern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Krimkrieg hie\u00df das Ganze nur deshalb, weil die wichtigsten milit\u00e4rischen Entscheidungen auf der Krim fielen. In Bezug auf das Schwarze Meer gibt es durchaus Parallelen von heute zu damals. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Mitte des 19. Jahrhunderts ging es im Raum des Schwarzen Meeres\/des Nahen Ostens um regionale Machtfragen. Heute werden im Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland die Weichen f\u00fcr die ganze Welt f\u00fcr 50 oder sogar 100 Jahre gestellt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:\u00a0<\/strong><em>Trifft es also zu, dass der Krieg in der Ukraine eine Zeitenwende darstellt?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:<\/strong>\u00a0Zeitenwende? Ja, und zwar in dem angef\u00fchrten Sinne einer Entscheidung f\u00fcr die ganze Welt f\u00fcr das n\u00e4chste halbe oder ganze Jahrhundert. Nein, nicht im Scholz\u2019schen Sinne. Denn der Krieg ist nicht 2014\/2022 nach Europa zur\u00fcckgekehrt. Er war mit der Aggression der NATO gegen Jugoslawien im Fr\u00fchjahr 1999 zur\u00fcckgekehrt. Sie war auch eine Z\u00e4sur f\u00fcr Deutschland: Seine politische F\u00fchrung betrieb zum ersten Mal nach 1945 mit milit\u00e4rischer Gewalt wieder Politik, und dazu noch in einem v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>DWN:<\/strong>\u00a0<em>Welche Folgen k\u00f6nnte eine Niederlage der Ukraine \u2013 und damit ihrer westlichen Sponsoren \u2013 f\u00fcr die geostrategischen Ambitionen der NATO und ihren Zusammenhalt haben; w\u00fcrde der Anspruch der USA auf eine unipolare Weltordnung zerschellen?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Lothar Schr\u00f6ter:<\/strong>\u00a0<strong>Die NATO selbst sieht ihren Stellvertreterkrieg gegen Russland als Nagelprobe daf\u00fcr an, ob sie ihren ureigensten Zweck, mit milit\u00e4rischer Macht, gegebenenfalls auch mit milit\u00e4rischer Gewalt, Politik zu betreiben, \u00fcberhaupt erf\u00fcllen kann. Nach dem Niederringen des realsozialistischen Gegners in Osteuropa, wozu eine gewaltige milit\u00e4rische Machtentfaltung, nicht aber milit\u00e4rische Gewalt, notwendig war, war der Milit\u00e4rblock st\u00e4ndig auf der Suche nach seiner Sinngebung, auch wenn er das nach au\u00dfen hin m\u00f6glichst zu verbergen suchte. Nun ist er in eine direkte milit\u00e4rische Konfrontation (auch wenn das durch Stellvertretung getarnt wird) um die zukunftsentscheidende Auseinandersetzung zwischen der vom Westen zu verewigen erhofften Alleinherrschaft (Unipolarit\u00e4t) und der von den allermeisten L\u00e4ndern der \u00fcbrigen Welt unter F\u00fchrung Chinas mit Russland und den BRICS-Staaten sowie dem \u201eglobalen S\u00fcden\u201c vertretenen Prinzip der Multipolarit\u00e4t mit dem Kern von Gleichheit, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und einer fairen Weltwirtschaftsordnung eingetreten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Diese Aufgabe ist nur zu vergleichen mit seinem schlie\u00dflich errungenen Sieg im Kalten Krieg. Damals, in einem strategischen Kampf von weltweiter Bedeutung, gelang ein Erfolg auf ganzer Linie. Doch nach der ersten Euphorie trat die Sinnkrise der NATO ein. Sie hielt an, bis Russland 2001 das Ende der Jelzin-\u00c4ra verk\u00fcndete und seine traditionelle Rolle als Gro\u00df-und Weltmacht einklagte. Tja, und bis im Fernen Osten mit der VR China ein Riesenreich, mit dem niemand so richtig rechnete, zus\u00e4tzlich eine solche Rolle beanspruchte. Neue (alte) Feinde waren ausgemacht, \u00fcber die machtpolitisch ein abermaliger Triumph durchzusetzen war.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sollte dies misslingen, sollte also der Stellvertreterkrieg jenseits der Ostgrenzen der NATO verloren gehen, werden im B\u00fcndnis erhebliche zentrifugale Tendenzen auftreten. Sie werden an seiner Funktionsf\u00e4higkeit am heftigsten aufflammen. Verst\u00e4rken werden sie sich, wenn Russland seine Westgrenzen (niemand wei\u00df, ob es f\u00fcr Moskau in den ukrainischen Landen die Westgrenze der UdSSR sein soll) zu einem un\u00fcberwindlichen Wall ausbauen wird und vor allem: Wenn sich als Unsinn erweist, dass Polen und die baltischen Staaten \u201edie N\u00e4chsten\u201c sein w\u00fcrden, wenn also die neue (alte) Legende von der Bedrohung aus dem Osten platzt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Dann wird man nach Kaufmannsmanier fragen, ob sich die Hunderte von Milliarden Dollar f\u00fcr das Ukraineexperiment nicht als exorbitante Fehlinvestition erwiesen haben und ob sich der angekurbelte massive Aufr\u00fcstungskurs in der NATO noch lohnt. Ja: Ob er \u00fcberhaupt durchzustehen sein wird. Gerade auch dann, was zu erwarten ist, wenn die Kanonen-statt-Butter-Politik zu \u00f6konomischen Einbr\u00fcchen, zu krassen sozialen Verwerfungen und zu noch sch\u00e4rferen Konflikten in den Gesellschaften f\u00fchren wird, die die Stabilit\u00e4t sogar mancher Mitgliedsl\u00e4nder gef\u00e4hrden k\u00f6nnte. Bis hin zu der Frage, ob es nicht besser gewesen w\u00e4re, wie Ungarn auf einen Ausgleich mit Russland zu setzen, weil das die allemal renditetr\u00e4chtigere Investition \u2013 im Billionen-Dollar-Bereich \u2013 gewesen w\u00e4re. Aber: Moskau wird nicht vergessen, wie es vom Westen betrogen und \u201ebestraft\u201c wurde. Es wird den Blutzoll nicht vergessen, den das Land gerade auch in Verantwortung besonders der NATO-F\u00fchrungsm\u00e4chte gezahlt haben wird.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>In der NATO wird es also eine Schlussrechnung geben. In Br\u00fcssel, Washington, Berlin und andernorts wird man allergr\u00f6\u00dfte Sorge um die Zukunft des Milit\u00e4rblocks haben, wenn das nach hunderttausenden Opfern z\u00e4hlende blutige Abenteuer in der Ukraine seine so extremen Ziele verfehlen sollte und -zig Milliarden Dollar verbrannt sein werden. Auch das Ende der NATO in der bisherigen Form kann dann nicht mehr ausgeschlossen werden. Und dabei sollte doch in dem kriselnden Milit\u00e4rblock gerade nach den Debakeln in Afghanistan, im Nahen Osten und in Afrika mit der Ukraine nicht zuletzt auch ein nochmaliger enger Schulterschluss aller Paktmitglieder erreicht werden \u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Weiterlesen<\/strong><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul style=\"font-weight: 400;\">\n<li><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708628\/steinmeier-unter-feuer-kontroverse-um-ukraine-hilfen-und-taurus-lieferungen\"><strong>Steinmeier unter Feuer: Kontroverse um Ukraine-Hilfen und Taurus-Lieferungen<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708609\/financial-times-trotz-sanktionen-zahlen-europaeische-banken-hohe-steuern-an-russland\"><strong>Financial Times: Trotz Sanktionen zahlen europ\u00e4ische Banken hohe Steuern an Russland<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/708552\/gallup-studie-globale-fuehrungsbewertung-2024-wie-deutschland-unter-grossmaechten-abschneidet\"><strong>Gallup-Studie: Globale F\u00fchrungsbewertung 2024 &#8211; wie Deutschland unter Gro\u00dfm\u00e4chten abschneidet<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>Info zur Person:<\/em><\/strong><em>\u00a0Dr. Lothar Schr\u00f6ter, geboren 1952, studierte von 1970 bis 1974 Geschichte und Russische Sprache an der P\u00e4dagogischen Hochschule in Leipzig. Er absolvierte anschlie\u00dfend ein postgraduales Studium der Milit\u00e4rgeschichte und arbeitete bis 1990 erst als wissenschaftlicher Assistent am Milit\u00e4rgeschichtlichen Institut in Potsdam, dann als promovierter und habilitierter Oberassistent und Dozent. Bis zum Eintritt ins Rentenalter in der beruflichen Aus- und Weiterbildung t\u00e4tig. Zahlreiche Publikationen, darunter \u201eMilit\u00e4rgeschichte der BRD\u201c (1989), \u201eDie NATO im Kalten Krieg\u201c (2009), \u201eUSA \u2013 Supermacht oder Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen?\u201c (2009) und \u201eK\u00fcnftige Supermacht in Asien? Milit\u00e4rpolitik und Streitkr\u00e4fte der Volksrepublik China\u201c (2011). Sein j\u00fcngstes Buch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/der-ukrainekrieg.html\"><strong>Der Ukraine-Krieg<\/strong><\/a>\u00a0ist in der Edition Ost der Eulenspiegel Verlagsgruppe erschienen. Seit 1996 ist Schr\u00f6ter Mitglied im Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e. V.<\/em><\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-separator fusion-full-width-sep\" style=\"margin-left: auto;margin-right: auto;margin-top:7px;margin-bottom:7px;width:100%;\"><\/div><div class=\"fusion-sep-clear\"><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":38,"featured_media":8412,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-8409","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maschinenraum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/38"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8409"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8414,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8409\/revisions\/8414"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/aufstehen.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}